Eichhörnchenfotografie

Wie wir unsere Hörnchen fotografieren. Ein kleiner Ausflug in die Kameratechnik

Es wäre viel einfacher, ein Buch über Weinbergschnecken zu fotografieren. Die rennen nicht ganz so schnell weg… ;-)

Grundsätzlich gilt, Eichhörnchen lassen sich mit jeder Kamera einigermaßen gut fotografieren. Auch Smartphones machen erstaunlich gute Bilder, wenn genug Licht vorhanden ist und die Entfernung nicht zu groß ist. Sind die Bedingungen jedoch nicht optimal, ist eine gute Kamera vorteilhaft. Außerdem hat man dann die Möglichkeit, im RAW-Format zu fotografieren und Teleobjektive einsetzen zu können.

Drei besondere Herausforderungen gilt es beim Fotografieren von Eichhörnchen und natürlich auch anderen Wildtieren zu meistern:

Eichhörnchen sind quirlig – eine kurze Belichtungszeit ist erforderlich, d.h. wenig Licht kommt auf den Sensor
Eichhörnchen sind häufig an oder auf Bäumen, d.h. auch hier wenig Licht
Eichhörnchen sind oft weit weg – ein Zoom- bzw. Teleobjektiv wird benötigt - wiederum wenig Licht

Kameratechnik

Um hier schöne Ergebnisse zu erzielen, bedarf es einer Kombination aus der geeigneten Ausrüstung und den richtigen Einstellungen.
Zuerst ein paar Zeilen zur Ausrüstung: Den ganzen Hype um bestimmte Marken lassen wir gleich mal außen vor. Fast niemand sieht es einem Foto an, ob es mit einer Nikon, einer Canon, einer Sony oder einer Kamera von einem anderen Hersteller geschossen wurde. Zwischen den Geräten einer Preisklasse sind die Unterschiede nicht so groß. Eine schlechte Kamera baut keiner. Ob ein Bild wirkt, hängt vielmehr mit Bildgestaltung und dem richtigen Moment zusammen.

Das wichtigste ist, möglichst viel Licht auf den Sensor zu bringen.

Bei den quirligen Hörnchen hat man nicht immer Einfluss auf die optimale Bildgestaltung. An unsere Regieanweisungen haben sie sich noch nie gehalten. Doch durch Beobachten der Verhaltensweisen, von welcher Seite sie meistens an den Futterplatz kommen und durch bedachtes Platzieren des Futters kann man schon Einfluss auf die Bildgestaltung nehmen.

Fotografiert, wenn es die Kamera anbietet, im RAW-Modus! Nur dann sind alle Bildinformationen vorhanden und lassen sich mit einem Bildbearbeitungsprogramm nachträglich viel umfangreicher verändern, als im JPEG-Format. Es ist überraschend, was man zum Beispiel aus zu dunklen Bereichen noch rausholen kann. Es ist generell besser, ein Bild unterzubelichten.
Fotografenregel: näher ran!!! – möglichst groß abbilden.
Bilder werden in unserem Kulturkreis von links nach rechts betrachtet. Optimal ist es daher, wenn sich der spannendste Teil des Bildes im rechten Drittel befindet. Und das Tier in das Bild schaut, also dem Betrachter entgegen.
Hintergründe sollen nicht ablenken sondern idealerweise durch eine wirkungsvolle Farbgebung das eigentliche Objekt unterstützen.
Bei ganz geöffneter Blende lässt die Abbildungsleistung des Objektivs nach. Die beste Schärfe erzielt man etwa um Blende 8.

Werden die Eichhörnchen an einer bestimmten Stelle fotografiert, ist es sehr hilfreich, die Kamera auf einem Stativ zu montieren. Die Armmuskeln und der Rücken werden es einem danken. Zum schnellen Verstellen ist ein Kugelkopf ideal. So lässt sich die Kamera schnell in alle Richtungen schwenken. Und mit einer Schnellwechselplatte kann die Kamera mit einem Handgriff vom Stativ gelöst werden, wenn es die Situation erfordert. Noch idealer ist ein sogenannter Gimbal-Kopf. Dort hängt die Kamera an einem L- oder U-förmigen Winkel frei und muss nicht wie beim Kugelkopf durch eine Feststellschraube festgeklemmt werden, bevor die Kamera losgelassen wird. Sehr hilfreich – Lebenserfahrung :-)

Steht man vor der Entscheidung, sich eine neue hochwertige Kamera zuzulegen, kommt sofort die Überlegung auf, Spiegelreflex (DSLR) oder spiegellose Systemkamera (DSLM). In vielen Bereichen haben sich die kleineren und leichten Systemkameras extrem bewährt. Diese gibt es inzwischen mit Sensoren, die denen der Spiegelreflexkameras in nichts nachstehen. Trotzdem gibt es einige Punkte, die gerade im Bereich der Tierfotografie für die Spiegelreflexkameras sprechen. Insbesondere das bessere Handling mit großen und schweren Tele-Objektiven. Bei wechselnden Bedingungen ist es oft erforderlich, die Einstellungen von Blende, Belichtungszeit, ISO, Fokusbereich und Belichtungsart schnell zu verändern. An einem großen Gehäuse sind die Tasten und Einstellräder besser zu erreichen, ohne die Kamera absetzen zu müssen. Der optische Sucher verbraucht keinen Strom, im Gegensatz zu einem Monitor. Das macht sich bei längerem Warten auf das Objekt der Begierde deutlich bei der Akku-Laufzeit bemerkbar. Auch ist der optische Sucher im Punkt Kontrast und bei schlechtem Licht dem Suchermonitor überlegen.
Die Spiegelreflex bietet einen schnelleren Autofokus und höhere Serienbildanzahl. Ein weiteres Argument ist die größere Auswahl an Objektiven, auch von Drittanbietern.

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Unsere Spiegelreflexkamera mit Stativ und Gimbal Head

Die wichtigsten Funktionen sind durch Einstellräder und Tasten veränderbar, ohne in einem Menü blättern zu müssen.

Bei Systemkameras ist der Sensor immer an, das heißt aber auch dass er immer mit Strom versorgt werden will und warm wird. Ein warmer Sensor rauscht mehr, was sich bei höheren ISO-Einstellungen bemerkbar macht.

Obwohl sich die Leistung der Sensoren in den letzten Jahren enorm verbessert hat, spielt die Größe doch eine entscheidende Rolle. Bei gleicher Anzahl der Pixel fällt auf einen Sensor im Kleinbildformat (36x24mm) mehr Licht, als auf einen Sensor im sogenannten APS-C -Format (ca. 23x15mm). Dies führt insbesondere bei wenig Licht zu einem eindeutigeren Signal des einzelnen Pixels und somit insgesamt zu geringerem Bildrauschen. Da aber durch den veränderten Bildwinkel für den gleichen Bildausschnitt beim Kleinbildformat eine längere Brennweite benötigt wird, wird dieser Effekt teilweise wieder aufgehoben.

Aber das beste Kameragehäuse nutzt nichts, wenn die Objektive nichts taugen. Das System muss zueinander passen. Generell gilt, je kleiner die Blendenzahl ist, desto mehr Licht kommt durch das Objektiv.

Je Blendenschritt bedeutet das eine Verdopplung des Lichts. Das heißt, durch ein Objektiv mit der Anfangsblende 2.8 fällt doppelt so viel Licht wie durch ein Objektiv mit der Blende 4. Die einzelnen Schritte Blendenreihe 1 – 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 usw. zeigen, wie sich das Licht mit jedem Schritt verdoppelt bzw. halbiert wenn man in der umgedrehten Reihenfolge geht.

Entgegenwirken kann man diesen Effekt durch die Veränderung der Belichtungszeit. Auch hier verändert sich die einfallende Lichtmenge auf den Sensor mit jedem Schritt um den Faktor 2. In der Praxis heißt das für uns, wenn wir ein schnelles Hörnchen scharf fotografieren wollen und die Zeit von einer 1/500 Sekunde auf eine 1/1000 Sekunde verringern, muss die Blende um eine volle Stufe von z.B. f8 auf f5,6 geöffnet werden, um die gleiche Menge Licht auf den Sensor zu bekommen.

Mit dem Öffnen der Blende verringert sich aber auch die Schärfentiefe, das heißt, der Bereich, der scharf abgebildet wird, wird kleiner. Das ist ein schönes Stilmittel und wird auch häufig bei der Portrait und Objektfotografie angewendet. Objekt oder Model scharf, Hintergrund verschwommen. Damit wird der Blick auf das Objekt geführt und der Hintergrund lenkt nicht ab.

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Große Blendenöffnung, geringe Schärfentiefe: ISO Empfindlichkeit 640, Verschlußgeschwindigkeit 1/200 sec, Blende f2,8

 

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